Der PSP muss weg!

Ingo Blum

Business Development Manager

Warum die Zahlungsabwicklung für Händler immer mehr zur Kernkompetenz werden muss

Stellen Sie sich folgende Situation vor: Sie haben einen Onlineshop und wollen weiter expandieren. „Internationalisierung“ ist der Ruf der Stunde – gerade in diesen Zeiten, in denen E-Commerce exponentiell wächst.

Sie arbeiten seit Jahren mit einem Payment Service Provider (PSP) zusammen, der Ihnen alles gibt, was Sie zur Zahlungsabwicklung brauchen: Sie haben Zugriff auf alle Zahlverfahren, mit denen Ihr PSP zusammenarbeitet, gutes Reporting, Risikoabsicherung Ihres Geschäftes. Augenscheinlich eine ideale Situation.

  • Was, wenn Sie in Länder vordringen und mit lokalen Zahlverfahren zusammenarbeiten wollen, die Ihr PSP nicht anbietet?
  • Was, wenn Sie sich neue Zahlungspartner ausgesucht haben, die günstiger und schneller sind als jene, die Ihr PSP Ihnen anbietet?
  • Was, wenn die Internationalisierung Ihres PSPs selbst eingeschränkt ist und er eher so etwas wie ein Lokalmatador ist?

Im Grunde bieten die großen Anbieter der Branche wie Stripe, Adyen, Checkout.com und Co alle dasselbe an – sie helfen Onlinehändlern, die Zahlungen ihrer Kunden zu verarbeiten. Leider lösen sie dabei aber nicht das eigentliche Händlerproblem.

Warum?

Teil des Problems ist, dass Händler, wenn sie sich einmal für einen Anbieter entscheiden und diesen mit viel Aufwand integriert haben, mit diesem gewissermaßen „verheiratet“ sind. Die technische und operative Integration ist eine Verbindung für sehr lange Zeit, wenn nicht auf Lebenszeit. Ein PSP versucht zu standardisieren. Relevanz für individuelle Anpassungen und Integrationen für Kunden hat nur, wer einen entsprechenden Business Case vorweist. Was also, wenn der Händler nicht groß genug ist, man den PSP aber bereits aufwendig integriert hat?

Händler müssen im Hinblick auf ihre Partner (z.B. Acquirer), ihre USPs oder Omnichannel-Lösungen flexibel sein und sich auch darauf verlassen können, dass ihr Payment Provider ihnen die besten Lösungen dafür bietet – was oft nicht der Fall ist.

Prüfe, wer sich ewig bindet – Flexibilität vs Lock-In

Was passiert zum Beispiel, wenn ein PSP seine API ändert und jeder Händler seine Integration aktualisieren muss? Damit gehen zweifelsfrei Kosten einher, die kaum in eine Jahresplanung einkalkuliert werden können.

Wie reagiert man, wenn es zu einem Fall wie bei Wirecard kommt und der PSP von heute auf morgen „crasht“?

Die einfache Antwort? Sie benötigen ein Backup!

Erfolgreiche Beispiele wie Amazon, OTTO oder Real Digital haben bewiesen, dass zumindest große Händler sich nicht mehr nur auf einen einzigen PSP verlassen wollen und müssen. Im schlimmsten Fall kann dies aber mangels Erfahrung auf Seiten des Händlers zu sinnlosem Aktionismus führen. Nicht selten werden mehrere Anbieter integriert und mehr schlecht als recht im Hinblick auf Shop-interne Systeme verwaltet.

Im besten Fall, wie bei OTTO gesehen, wird eine eigene Infrastruktur aufgebaut, um das Problem zu bewältigen. Dahinter steckt der Wunsch, nicht mehr von nur einem einzigen PSP abhängig zu sein. Der erste Schritt ist dabei, relevantes Knowhow aufzubauen und operative Prozesse intern abzuwickeln. Nachteil ist bei einem solchen Modell natürlich die Komplexität des Ansatzes im Hinblick auf Processing, Regulatorik, Technologie und operative Umsetzung. Nicht zu vergessen die Gebührenstrukturen potenzieller Zahlungspartner.

Dennoch wollen Händler bessere Leistung, mehr Kontrolle und Flexibilität. Oder einfach gesagt, mehr Auswahlmöglichkeiten!

Best of Breed und Payment Backup

Eine Payment Orchestration hätte viele Händler vor einem Umsatzsturz nach dem Wirecard-Debakel bewahren können. Doch was heißt Payment Orchestration überhaupt?

Ein Beispiel:

Sie haben für Ihren Online Shop die Internationalisierung vorbereitet und sich für mehrere Länder entschieden. Alle Länder, in die Sie expandiert sind, sind auch profitabel. Bis auf eins.

  • Wäre es nicht schön, die Zahlverfahren in diesem Land einfach nach Belieben wieder abzuschalten, wenn sich herausstellt, dass dieses Land nicht profitabel für Sie ist?
  • Wäre es nicht vorteilhaft, mit lokalen PSPs zusammenzuarbeiten, die auch vor Ort über das beste Knowhow verfügen?
  • Wie wäre es zu wissen, dass Sie im schlimmsten Fall auf eine Vielzahl von PSPs um“switchen“ können, wenn einer ausfällt?

Das macht den PSP keinesfalls obsolet, wie es die etwas provokante Überschrift dieses Artikels suggeriert. Es macht ihn aber ersetzbar!

Genau das sind die Ziele von Payment Orchestration:

  • Das Schaffen von Flexibilität, um für jede Anforderung die bestmögliche Lösung zu nutzen
  • Die Gewährleistung der Überschaubarkeit der Anbindung durch Single-Integration-Prinzip
  • Die Verbesserung der Verhandlungsposition gegenüber Partnern

Switch Your Payments

Eine Payment Orchestration Plattform (POP) wird nicht direkt mit einem PSP konkurrieren. Im Gegenteil: Eine POP ist bei der Abwicklung der Transaktionen nach wie vor auf diesen angewiesen. Monetarisiert wird sie dabei durch eine Software-Lizenz sowie einen Transaktionspreis. Allerdings werden PSPs und Anbieter von Zahlverfahren einer von vielen auf der POP sein und in eine direkte Preiskonkurrenz zueinander gehen, was wiederum einen entscheidenden Vorteil für den Händler bedeutet.

Das Kräfteverhältnis zwischen PSP und Händler wird geändert, die Payment Orchestration Plattform ist nur das Druckmittel dafür.

Heißt im Klartext: In Zukunft kann mit nur einer Händlerintegration in eine POP, wie z.B. SwitchPay oder IXOPAY ein ganzer Bauchladen an internationalen Zahlungsmöglichkeiten entstehen. Ein Händler kann sich entscheiden, mit seinem „Heimat“-PSP für Europa weiter zusammenzuarbeiten, für gesicherte Lastschriftverfahren einen anderen Anbieter zu nutzen und für den Markteintritt in Brasilien mit einem weiteren lokalen Anbieter zu arbeiten. Es können einzelne Zahlverfahren direkt über die POP aufgeschaltet werden, um Drittkosten zu vermeiden, sowie günstigere lokale Acquirer aufgeschaltet werden.

Als unabhängiges Beratungsunternehmen hat sich aye4fin auf Aufbau und Optimierung von Zahlungssystemen sowie dem Thema Payment Orchestration verschrieben. In den vergangenen Jahren wurden erfolgreiche Projekte mit internationalen Kunden aus Handel, Industrie und Logistik, die insbesondere die Unabhängigkeit sowie das verfügbare Expertenwissen geschätzt haben.

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